“Desktop Dining” – Ist die Mittagspause in Deutschland in Gefahr?

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Mittagessen am Laptop. Desktop Dining in der Mittagspause in Deutschland

“Desktop Dining” – Ist die Mittagspause in Deutschland in Gefahr?

Was passiert in deutschen Büros eigentlich zwischen 12 Uhr mittags und 14 Uhr? Gesetzlich geregelt ist mindestens eine halbe Stunde täglich. Doch was machen Arbeitnehmer mit dieser Zeit? Wo essen sie, was essen sie – oder essen sie überhaupt noch? Eindrücke wie die Bilderstrecke des amerikanischen Fotografen Brian Finke, der 2016 in amerikanischen Büros Fotos von der Mittagspause machte, lassen Trauriges erahnen. Leere Blicke auf Bildschirme gerichtet, Pizza aus dem Karton, den Hörer am Ohr – “desktop dining” nennt er den schnellen Lunch am Arbeitsplatz. Gut, das ist in den USA – ticken die Uhren hier anders oder ist die Mittagspause in Deutschland ebenfalls in Gefahr? Die Ernährungsreports der letzten Jahre gewähren Aufschluss darüber, welche Ernährungsgewohnheiten der Arbeitnehmer die Mittagspausenkultur in Deutschland prägen.

Wer geht noch in die Kantine?

Die meisten Arbeitnehmer bringen sich für ihre Mittagspause fast täglich oder wenigstens einige Male die Woche etwas von zu Hause mit. Immerhin 56% gaben im letzten Jahr an, sich selbst für die Arbeit zu bekochen oder Pausenbrote zu schmieren. Allerdings ist dieser Anteil seit 2015 von 65% stark gesunken.

Knapp ein Fünftel nutzen für die Mittagspause in Deutschland den Service einer Kantine. Es ist zwar nicht klar, wie viele Arbeitnehmer theoretisch eine Kantine zur Verfügung hätten, doch der Anteil der Kantinenbesucher ist in den letzten Jahren gesunken. Das könnte daran liegen, dass die herkömmliche Kantine den Ansprüchen der individuellen Bedürfnisse immer besser informierter Verbraucher nicht mehr gerecht wird. Kurios: Doppelt so viele Männer wie Frauen geben an, fast täglich in der Kantine zu essen. Dafür bringen sich Frauen lieber selbst etwas mit.

Wer geht zum Essen raus?

Der Mittagstisch im Restaurant scheint sich schon länger nicht mehr an Beliebtheit zu erfreuen. Langes Warten durch langsamen Service oder schlichtweg die gastronomische Wüste rund um den Arbeitsplatz sorgen dafür, dass mittlerweile unter 5% sich den Luxus gönnen, in einer normalen Arbeitswoche mehrmals zur Mittagszeit im Restaurant essen. Wenn das Büro zur Mittagspause verlassen wird, dann eher um sich einen Snack beim Imbiss oder Bäcker zu besorgen. Das ist zum einen günstiger, zum anderen ist oft die Auswahl rund um den Arbeitsplatz auch etwas größer.

Ist die Mittagspause in Deutschland in Gefahr?

Zum Abschluss die schockierende Bestätigung der traurigen Vorahnung, die die Bilder von Brian Finke wecken: ein Fünftel der Arbeitnehmer verzichtet sogar ganz auf die Mittagspause. “Lunch is for wimps” heißt es in Wall Street. Stimmt das, sollte man die Mittagspause im Büro direkt streichen, wenn sie sowieso nicht mehr wahrgenommen wird? “Nein!” sind sich Arbeitspsychologen und Kreativitätsforscher einig. Bewusst gesetzte Pausen während des Arbeitstages steigern die Produktivität. Das funktioniert allerdings nur, wenn diese räumlich getrennt vom Arbeitsplatz stattfinden und bewusst genossen werden. Mit dem Hörer am Ohr und den Blick auf den Desktop fixiert, wird das also nichts. Raus gehen, mit den Kollegen reden und sich erlauben, einen Moment aufzutanken – so geht es mit viel mehr Power am Nachmittag weiter.

 

Mehr zum aktuellen Ernährungsreport könnt ihr hier nachlesen: Ernährungsreport 2018: Neue Erkenntnisse über Ernährung in Deutschland

Die Originalquelle zum Ernährungsreport findet ihr hier: Ernährungsrport 2018

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